Sonntag, 22. Juli 2012

Der Vorschlag

Abwägend wiegte ich meinen Kopf. Würde mir genug Zeit bleiben zur Tür zu rennen und sie weit genug zu öffnen, um nach Hilfe zu schreien? Oder wäre das nicht nötig, wenn ich mich weigerte… Würde er mich dann schlagen?
Oh Gott, ich wurde zwar noch nie geschlagen, aber das tut doch bestimmt weh! Unsicher blickte ich ihn an.
Für beide Möglichkeiten brauchte man Mut, doch leider Gottes bin ich ein verdammter Feigling. Ein Feigling mit einer viel zu groß geratenen Klappe…

„Und, hast du etwas zu verstecken oder bist du nur zu verklemmt?“, fragte er herausfordernd.
Im Grunde genommen bin ich nichts von beiden, mein Schüchternheit ist eher auf mein Ego bezogen. Denn wer würde sich freiwillig demütigen lassen? Das kratzt natürlich gewaltig am Stolz, aber wenn es nicht anders geht, was sollte man dann tun?
„Ich habe einen Großteil meiner Jugend in einem Kloster verbracht und noch dazu bin ich Daddys kleines Mädchen! Natürlich bin ich zu verklemmt, bist du etwa darüber überrascht?“,gab ich gespielt unschuldig von mir, aber es schien ihn trotzdem zu provozieren…

Hatte ich schon erwähnt dass ich eine große Klappe habe? –Ja, nun ist es amtlich. Irgendwie gehen meine Pläne und Äußerungen immer nach hinten los…
„Du kleines Miststück! Willst du mich verarschen? Wenn du denkst, du kannst mich zum Narren halten, dann hast du dich geschnitten!“
Erbost riss er an meinem Blaser, bis ein paar Knöpfe sich lösten und laut klappernd zu Boden gingen. Scheiße, ich musste die Uniform doch noch zurückgeben!
„Edward, hör auf damit. Ich mach ja schon!“,kreischte ich und versuchte seine Hände von meinen Klamotten abzuwehren.

Mit einer geschmeidigen Bewegung waren meine Hände und ich zwischen Edwards Körper und der Wand eingeklemmt. Na toll, ich hatte eigentlich gehofft nicht schon wieder in so eine Situation zu kommen…
„Was, Isabella? Was machst du schon?“, zischte er gefährlich leise, hart schluckend blickte ich wieder auf:
„Mich, ähm… umziehen?“ Mein kleines Zögern und natürlich meine Unsicherheit ließen es wie eine Frage klingen.
„Gut Isabella, du lernst zwar nicht besonders schnell, aber das bekommen wir schon noch hin!“, lächelte er tadelnd und trat zwei Schritte von mir weg.

„Lernen?“, fragte ich unsicher nach. Uhii!! Ich sollte mir langsam mal angewöhnen wie schnell sich seine Laune ändern kann… Wenn ich richtig gezählt hatte, hatte ich in den letzten 3 Minuten 10 verschiedene Stimmungen abbekommen von verärgert zu sardistisch, dann zu Emotionslos, wieder wütend, dann wechselte er zum Diktatormodus, um kurz darauf wieder zu lächeln. Er wurde herausfordernd, dann aggressiv (meine armen Knöpfe), um dann gefährlich ruhig und dann so unheimlich nachsichtig zu werden, mit seinem Spruch mit dem „lernen“.
Da soll einer noch durchblicken!

„Nicht so wichtig, Liebling!“
Ah… dann eben nicht! Innerlich Schulterzuckend und mit einem Seufzer auf den Lippen streife ich den –sowie schon kaputten- Blaser ab.
Schnell öffnete ich die Knöpfe der hochgeschlossen Bluse und streifte diese ebenfalls ab. Nun stand ich in einem gewagten Spitzen-BH und einem grauen Faltenrock da, der Traum aller Männer!, dachte ich sarkastisch.
Genervt blickte ich auf und sah einen überraschten und sprachlosen Edward.

Äußerlich mit einem genervten Gesichtsausdruck –doch im Innern ein wenig grinsend- lief ich mit geschmeidigen Schritten auf ihn zu. Vor ihm angekommen lächelte ich nachsichtig und nahm meine Wechselsachen aus seiner Hand. Ich blieb vor ihm stehen und streifte mir mein T-Shirt über, schnell rutschte mein Faltenrock von meinen Hüften und wurde von einer engen Jeans abgelöst.
So, ich hatte mich vor ihm umgezogen, aber er hatte mich trotz allem nicht nur mit Unterwäsche gesehen.
Selbst dieser kleine Erfolg nutze meinem angekratzten Ego nicht viel. Deshalb sinnt es auf Rache! Warum hab ich nur das Gefühl, dass dies nach hinten losgehen wird?

Grummelnd lies ich mich von Edward in ein nahes Café schleifen. Nach meiner kleinen Stripeinlage, blieb mir gerade genug Zeit um meine Kleidungsstücke einzusammeln bevor mich Edward aus der Toilette zerrte.
Als wir dann an seinen Freunden vorbei kamen, winkte er ihnen nur schwach zu, während ich entschuldigend lächelnd ihnen ein
„Auf Wiedersehen“ zu rief.

So und nun hatte er mich in ein anderes Café auf der anderen Seitenstraße gebracht, verfrachtete mich auf einer Eckbank im hintersten Teil des Cafés und ging davon. Kein Wort hatte er seit meinem Auftritt verloren, ich wusste ehrlich gesagt nicht was ich davon halten sollte…
Zum einen ist es eine willkommene Abwechslung von seinen nervigen Stimmungsschwankungen, aber andererseits… heißt es nicht immer ‚Die Ruhe vor dem Sturm’?
Und wie genau wird der Sturm bei Edward aussehen? Ein Schauder durchlief mich bei diesem Gedanken, wir sind uns ja wohl alle einig, dass dies keiner miterleben möchte, oder?

Kurz lies ich mein Blick zur Tür schnellen, ich könnte jetzt eigentlich einen Fluchtversuch wagen…
„So da bin ich wieder!“
…oder auch nicht.
„Ja… da bist du wieder“, sagte ich nervös und schätzte ab, wie lange ich brauchen würde um unter den Tisch in Deckung zu gehen.
„So, ich sage es jetzt direkt heraus. Ich hätte da einen Vorschlag…“ Er legte eine dramatische Pause ein
„…um eine friedliche Zeit vor und nach der Hochzeit zu gewährleisten.“

Gespannt wartete ich darauf dass er fort fuhr, doch er machte nicht die geringsten Anstalten irgendwas zu sagen, sondern blickte mich auffordernd an.
Was? Muss ich erst nachfragen was dieser Vorschlag beinhaltet? Einen Augenblick später machte es bei mir Klick. Der Herr will sich wichtig machen!
„Und was willst du vorschlagen?“, fragte ich genervt, tun wir seinem Ego den Gefallen wenn er es so nötig hat!
„Also, es sind noch knappe 2 Monate bis zu deinem 18. Geburtstag –der übrigens auch der Hochzeitstag sein wird- und in diesen Tagen darfst du 10 Dinge machen, ohne das ich mich dabei einmischen werde.“
Aha, toll und weiter?
„Was ist der Haken?“, fragte ich prompt und hob die Brauen an

„Ich würde nicht unbedingt sagen das dies ein Haken ist… eher ein Ausgleich.“
„Und mit Ausgleich meinst du…?“
„Damit meine ich, dass ich ebenfalls 10 Regeln aufstelle. Die Regeln gelten aber erst nach der Hochzeit. Und, was sagst du dazu?“
Hmm, was sage ich dazu? Ob du mich hier verarschen willst? Es ist doch ganz klar, dass er nicht den Frieden zwischen uns gewährleisten will, sondern nur auf seinen eigenen Frieden aus ist.

Die Regeln sind sicher so was wie
‚Nur reden wenn man gefragt wird’
‚Nicht widersprechen’ und
‚alles tun und sagen was man von einer Ehefrau erwartet’.
Aber nicht mit mir! Nun war es wieder einmal soweit, einer meiner genialen Momente!

„Abgemacht, aber nur wenn wir vorher die Liste des jeweils anderen gelesen haben!“ meinte ich grinsend und reichte ihm meine Hand
„Natürlich, anders hätte ich es nicht gewollt!“, grinste er zurück. Dann bin ich aber gespannt ob er sein Plan immer noch so toll finden werden wird, wenn er weiß was meine ‚10 Dinge’ sein werden…

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